Ratgeber

Zahn- und Prothesenschmerzen bei Pflegebedürftigen: Hilfskarte für Pflegende

Als pflegende Angehörige stehen Sie oft vor einer großen Herausforderung, wenn pflegebedürftige Menschen über Zahnschmerzen klagen oder Probleme mit ihrem Zahnersatz auftreten. Da Betroffene Schmerzen oft nicht mehr klar lokalisieren oder äußern können, ist schnelles und besonnenes Handeln gefragt. Diese Hilfskarte zeigt Ihnen Schritt für Schritt, worauf Sie achten sollten.

1. Erste Hilfe und Schmerzerkennung

  • Ruhe bewahren und beobachten: Achten Sie genau auf die Körpersprache des Betroffenen – zum Beispiel Greifen an die Wange, Grimassieren oder das Verweigern von Nahrung.
  • Ursachen prüfen: Kontrollieren Sie vorsichtig, ob Essensreste oder Prothesenteile drücken oder ob Schwellungen im Wangen- und Kieferbereich sichtbar sind.
  • Kühlen statt wärmen: Kühlen Sie die schmerzende Wange von außen mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlakku. Keine Wärme anwenden – also keine Wärmflasche.

2. Handhabung bei Zahnersatz

  • Druckstellen erkennen: Rötungen oder kleine Wunden an der Mundschleimhaut deuten auf eine drückende Prothese hin.
  • Prothese herausnehmen: Nehmen Sie den Zahnersatz bei Schmerzen oder Verletzungen vorsichtig heraus, um die betroffene Stelle sofort zu entlasten.
  • Keine Eigenregie: Versuchen Sie niemals, Prothesen selbst zu biegen, zu schleifen oder zu kleben – das führt zu irreparablen Schäden.

3. Ernährung und Mundpflege

  • Weiche Kost anbieten: Leicht zu kauende oder pürierte Speisen wie Suppen, Joghurt oder Kartoffelpüree schonen den Kiefer.
  • Reizstoffe meiden: Verzichten Sie auf sehr heiße, saure, scharfe oder zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke.
  • Sanfte Mundhygiene: Führen Sie die tägliche Mundpflege trotz Schmerzen vorsichtig weiter, um Infektionen zu verhindern.

4. Wann zum Zahnarzt?

  • Sofortiger Handlungsbedarf: Bei starken Schwellungen, Fieber, Schluckbeschwerden oder blutenden Wunden umgehend eine Praxis oder den zahnärztlichen Notdienst aufsuchen.
  • Termin vereinbaren: Bei anhaltenden Druckstellen oder Prothesenproblemen zeitnah einen Kontrolltermin zur fachgerechten Anpassung vereinbaren.

Wichtiger Hinweis: Bei demenziell veränderten oder kommunikationseingeschränkten Personen helfen oft nonverbale Signale wie Unruhe oder das plötzliche Verweigern von Mahlzeiten, um Zahnbeschwerden frühzeitig zu erkennen.

Wir sind für Sie da

Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsicher sind – wir beraten Sie gerne zur Mundgesundheit pflegebedürftiger Menschen und finden gemeinsam eine schonende Lösung.

Zahnarztpraxis Stavros Avgerinos
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